♥ Eine kleine Weihnachtsgeschichte ♥

Der schiefe Tannenbaum

Das kleine Mädchen kuschelt sich wohlig in ihre Decke und wartet sehnsüchtig auf ihre Mutter, die ihr jeden Abend vor dem Einschlafen eine Geschichte erzählt.

Die Äuglein sind zwar schon schwer und meistens schläft sie schon nach wenigen Minuten ein, aber das ist für das Mädchen trotzdem die schönste Stunde des Tages, weil sie die Mutter hierbei ganz alleine für sich hat.

Sie spürt die Liebe der Mutter in all ihren Worten und fühlt sich geborgen und behütet. Endlich war es so weit, die Mutter kam ins Zimmer, setzte sich zu ihr und begann mit sanfter Stimme zu erzählen:

Nun, man sollte nicht meinen, dass es ein etwas schief gewachsener Tannenbaum etwa leicht hat. Ich möchte dir eine Geschichte erzählen, in der es um einen solchen kleinen Tannenbaum geht.

Unser kleiner Tannenbaum wurde zusammen mit 99 anderen kleinen Bäumchen gepflanzt um zusammen mit seinen Artgenossen zu schönen kräftigen Christbäumchen heranzuwachsen.

Denn zur Weihnachtszeit im Dezember kommt ihre ganz große Zeit. Da werden sie wundervoll geschmückt und rausgeputzt und dürfen in duftenden Räumen voller Licht und Kerzen stehen.

Schon jeder kleine Setzling weiß das und eifert dieser Zeit sehnsüchtig entgegen. Jeder einzelne kleine Tannenbaum strengt sich besonders an um groß und stark zu werden,

ja sie wetteifern sogar miteinander, wer die Zweige am höchsten strecken kann.

 

"Was ist denn mit dir, du bist ja noch ganz winzig?", hörte unser kleiner Baum ständig von seinem Nachbarn, der ihn immer mitleidig ansah. "Ach lass nur, der wartet auf nächstes Jahr", sagte sein anderer Nachbar und kicherte. "Das wird dann wohl auch nichts", sagte der Erste, denn er ist außerdem auch noch schief gewachsen, wer nimmt denn schon einen schiefen Christbaum?"

 

Das ging unserem kleinen Tannenbäumchen sehr nahe, er versuchte tapfer zu schauen und seine Tränen zu verstecken. Aber es half nichts, er wuchs nicht richtig, so sehr er sich auch bemühte und sich reckte und streckte. Traurig musste er mit ansehen, wie seine Nachbarn gerade und stolz standen und sich im Winde wiegten.

So vergingen die Monate und es wurde allmählich immer kälter, der Dezember nahte mit riesen Schritten und es lag schon Schnee in der Luft. Alle anderen Bäume waren beinahe ausgewachsen und freuten sich auf die kommende Weihnachtszeit.

Nur das noch immer sehr kleine und schiefe Bäumchen bangte dieser Zeit entgegen.

"Jetzt ist es bald soweit", sagte es traurig zu sich selbst, "ich werde sicher übrig bleiben, mich wird niemand haben wollen".

 

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