♥ Eine kleine Weihnachtsgeschichte ♥

Der schiefe Tannenbaum 2

Nun kam der große Tag, es wurden alle Bäume gefällt und zu einem großen und feierlich beleuchteten Platz gebracht, auch das kleine Bäumchen.

 

Als nun immer mehr Menschen kamen um sich ihren Christbaum auszusuchen, schien es wirklich so, als ob das kleine Bäumchen recht gehabt hätte. Es stand immer noch in seiner Ecke und wurde gänzlich übersehen, während seine Nachbarn rundherum fast alle schon ausgesucht wurden.

Das Bäumchen reckte und streckte sich verzweifelt um auf sich aufmerksam zu machen, erntete aber stattdessen nur Spott und Hohn. "Nein, dieser hier ist ja völlig krumm, der wäre ja nur was für den Kuhstall", hörte es einen Mann lachend sagen. "Das kannst du unserer Kuh aber nicht antun", entgegnete seine Frau und lachte ebenfalls.

Da gab das Bäumchen schließlich seine Hoffnung auf, noch ein Christbaum zu werden und ließ traurig seine Zweige hängen. Es verging eine lange Zeit, in der es angelehnt alleine in seiner Ecke stand und der Dinge harrte, die da kommen würden.

 

Am 24. Dezember, dem heiligen Abend, wurde es bereits ruhig beim Christbaumverkäufer, es kamen nur noch vereinzelt Menschen um nachzufragen, ob denn noch Zweige zum Schmücken der Eingangstüren da wären, aber keiner von ihnen nahm Notiz vom Bäumchen in der Ecke. Der Christbaumverkäufer wollte gerade das Licht ausschalten, als er noch jemanden kommen hörte. Es war ein kleines Mädchen mit ihrem Vater, die nun zaghaft um die Ecke schauten. 

"Guten Abend", grüßte der Mann. "Habt ihr vielleicht noch ein Bäumchen für uns?", fragte er.

Der Christbaumverkäufer hatte nicht mehr mit Kundschaft gerechnet und rieb sich verwundert das Kinn. "Nein, leider, sind alle schon weg", sagte er.

"Aber Vater, da ist ja noch ein Bäumchen, da in der Ecke", sagte das Mädchen und ging darauf zu. "Ja der", sagte der Christbaumverkäufer, "der ist nichts für den Verkauf, der ist ganz krumm."

Jetzt war auch der Vater bei dem Bäumchen und musterte es. 

"Wenn ihr es nehmt", sagte der Christbaumverkäufer, "mache ich euch einen guten Preis."

"Der ist perfekt für uns", sagte der Vater, "wir nehmen es".

 

Das Bäumchen wusste gar nicht wie ihm geschah, Hände griffen auf einmal nach ihm, um es in eine Netzverpackung zu stecken und schon ging's zum Auto. "Darf ich neben dem Bäumchen sitzen, das riecht so gut?", fragte das Mädchen ganz aufgeregt ihren Vater. Der lächelte und meinte, dass sie lieber hier im Wagen und nicht am Autodach sitzen sollte.

Zuhause wartete schon die ganze Familie auf ihre Ankunft. Alle freuten sich, als sie das Bäumchen sahen, das ja jetzt ganz offiziell ein Christbaum war.

Was geschieht mit mir, dachte sich das Bäumchen, träume ich etwa, oder ist das wirklich alles wahr. Ganz schüchtern hob es seine Zweige und blickt um ich. Der Vater holte gerade einen großen Eimer mit Wasser, in dem er das Bäumchen stellte, es hatte ja auch mächtigen Durst.

 

Anschließend wurde es ganz herrlich mit Glitzerkugeln geschmückt, sowie vielen leuchtenden Kerzen. Überall roch es ganz wunderbar nach Lebkuchen und Keksen. Das Bäumchen war überglücklich, sein allergrößter Wunsch war in Erfüllung gegangen, es spürte, dass es sehr geliebt wurde und erstrahlte dadurch zusätzlich in seinem allerschönsten Glanz.

Die Feiertage bei der Familie waren recht fröhlich und liebevoll, auch für das Christbäumchen, es wurde viel gesungen und gelacht, die Kinder strahlten über das ganze Gesicht, auch wegen der zahlreichen Geschenke. Und immer mitten darin, unser kleines schiefes Christbäumchen, das nun froh war, niemals die Hoffnung aufgegeben zu haben.

 

 

 

                                                                      Ende