♥ Eine kleine Gutenachtgeschichte ♥

Die Kasamännchen

Das kleine Mädchen kuschelt sich wohlig in ihre Decke und wartet sehnsüchtig auf ihre Mutter, die ihr jeden Abend vor dem Einschlafen eine Geschichte erzählt.

Die Äuglein sind zwar schon schwer und meistens schläft sie schon nach wenigen Minuten ein, aber das ist für das Mädchen trotzdem die schönste Stunde des Tages, weil sie die Mutter hierbei ganz alleine für sich hat.

Sie spürt die Liebe der Mutter in all ihren Worten und fühlt sich geborgen und behütet. Endlich war es so weit, die Mutter kam ins Zimmer, setzte sich zu ihr und begann mit sanfter Stimme zu erzählen:

Die Kasamännchen lebten einst im dichtesten Wald, unter dem größten Baum, mit seinen mächtigen Wurzeln. Sie waren den Zwergen nicht unähnlich, aber nur viel kleiner. Sie hatten in etwa die Größe eines Eichhörnchens.

Sie waren ein sehr friedliebendes Volk, das seine Sitten und Bräuche pflegte. Ganz tief unter dem Wurzeleingang war ihre Stadt, die Kasa hieß. Sie hatten dort ihre Häuser, die aus Rinde der Bäume bestanden, ihre Straßen, die aus festen und doch angenehm weichen Moos gefertigt waren und ihren schönen Stadtplatz, der mit vielen bunten Glasmurmeln gepflastert war. Achja und das Licht hatten sie von vielen Hunderten Glühwürmchen, die tagsüber ihre Strassen und Häuser erhellten.

Mitten am Stadtplatz stand ein prächtiges hohes (naja für die Kasamännchen war es hoch) Tannenzapfeinmännchen, das eine Elster-Feder in der Hand hielt.

 

Bislang hatte sie noch kein menschliches Wesen zu Gesicht bekommen, denn eine goldene Regel von den Kasamännchen war: Man darf sich niemals den Menschen zeigen!

Diese goldene Regel wurde von den vielen Mitgliedern ihres Volkes stets sehr streng eingehalten, schon die kleinen Kindlein lernten das als Erstes, dass man sich den Menschen niemals zeigen dürfte. Es wurde von den Vorfahren erzählt, dass das ganz üble Kreaturen waren, die einen ohne mit der Wimper zu zucken, Mausetot treten würden. Und wie es bei überlieferten Geschichten so ist, sagt man sich auch in Kasa, das diese Wesen fünf Arme und fünf Beine hätten und ein Blick aus ihren gelben Augen würde reichen, das man zur Steinsäule erstarrt.

 

Nun stand aber das Zapfen-Fest vor der Tür und die Einwohner mussten hoch, um eine große Menge neuer Tannenzapfen für ihr Fest zu  holen. Es gingen aber nur die stärksten und mutigsten Männer aus Kasa, dieser Aufgabe nach.

Beim nächsten  Morgengrauen brachen sie auf, sie hatten großen Netze und Hacken sowie Proviant dabei, man weiß ja nie, wie lange so etwas dauert, bis man genug Tannenzapfen gefunden hatte. Sie packten alles zu Bündeln zusammen und marschierten los.

Sie bemerkten allerdings nicht, das sich ein blinder Passagier in so einem Bündel versteckt hatte, es war der kleine Sohn des Bürgermeisters. Er wollte bei diesem Abenteuer, das ja nur einmal im Jahr stattfand, unbedingt mit dabei sein und hätte er gefragt, hätte es geheißen: ""Nein, was fällt dir ein, das ist viel zu gefährlich für dich!"

Also hatte er sich versteckt.

Als die Kasamännchen am Waldboden ankamen, war alles ruhig, man hörte den einen oder den anderen Vogel trällern, der gerade erwacht war und sein Morgenlied anstimmte.

Die Kasamännchen blickten sich in alle Richtungen um, um sicher zu gehen, das keine Gefahr drohte und begannen mit ihrer Arbeit. Sie mussten nicht lange suchen, denn die Zapfen lagen zu Hunderten am Waldboden verstreut, bereit um eingesammelt zu werden. Sie wollten aber nur die aller schönsten mitnehmen.

Aber hops, was war denn das? Als die Männlein ihre Netze ausrollten um die Zapfen zu verstauen, rollte der kleine Sohn des Bürgermeisters Namens "Pelzi" heraus. Sein Vater, der mit dabei war, begann mit ihm laut zu schimpfen, weil er so ungezogen war.

 

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